
Florian Rudolph – Künstler, Designer & Tattoo Artist in Berlin
Ich habe eigentlich immer eine Idee im Kopf. Eine Zeichnung, ein Objekt, eine Form, die ich ausprobieren möchte. Kunst ist für mich eine Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren und Gefühlen eine Form zu geben – auf Haut, auf Papier oder als etwas, das man in den Händen halten kann.
Mein Blick für die Natur hat früh angefangen. Als Kind in Saarbrücken habe ich tote Insekten und kleine Tiere gesammelt, sie betrachtet und versucht, ihre Formen zu verstehen. Diese Mischung aus Neugier, Faszination und einer gewissen Nähe zum Seltsamen begleitet mich bis heute.
Von der Idee zur eigenen Bildsprache
Ich habe Produktdesign an der HBK Saar studiert und mit einem Bachelor und Master abgeschlossen. 2016 bin ich nach Berlin gezogen und habe hier meine Leidenschaft fürs Tätowieren entdeckt. Seit 2017 arbeite ich selbstständig, 2018 habe ich mein Tattoo-Studio MUSE eröffnet.
In meinen Tattoos treffen Pflanzen, Tiere und anatomische Formen auf surreale Elemente. Mich interessiert, was passiert, wenn vertraute Dinge eine neue Verbindung eingehen: wenn ein Tier etwas Menschliches bekommt oder ein zartes Motiv gleichzeitig Stärke und Verletzlichkeit zeigt.
Gefühle brauchen eine Form.
Viele meiner Arbeiten beschäftigen sich mit Identität, Veränderung und dem Wunsch, man selbst sein zu dürfen. Manches entsteht aus eigenen Erfahrungen, anderes aus einer Beobachtung oder einem Gefühl, für das ich noch keine Worte habe. Ich mag Bilder, die etwas auslösen und trotzdem Raum für die eigene Geschichte lassen.
Diese Gedanken begleiten mich auch in meiner Malerei und meinen Objekten. Ich experimentiere gerne mit Materialien und Techniken und folge Ideen, auch wenn ich am Anfang noch nicht weiß, wohin sie führen.
Raum, man selbst zu sein
Ich bin queer und neurodivergent. Beides gehört zu mir und prägt, wie ich die Welt wahrnehme und mit Menschen umgehe. Ich weiß, wie anstrengend es sein kann, sich ständig anzupassen oder erklären zu müssen. Deshalb sind mir Offenheit, klare Kommunikation und ein aufmerksamer Umgang miteinander wichtig – auch beim Tätowieren.
Ich möchte Arbeiten schaffen, in denen du etwas von dir wiederfindest. Und einen Rahmen, in dem du sagen kannst, was du brauchst.

